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  DAS ERBE VON NUEVA GERMANIA                     
06.02.2005
DAS ERBE VON NUEVA GERMANIADAS GESCHEITERTE EXPERIMENT DEUTSCHER KOLONISTEN

Ein Dorf ohne Mitte. Keine schattige Plaza lädt zum Verweilen ein; keine blumenbekränzte Büste irgendeines Nationalhelden erinnert an vergangene Schlachten; kein Kirchturm bietet einen Fluchtpunkt für das Auge. Die Häuser, Lehmhütten zumeist, erstrecken sich entlang einer breiten Erdpiste, bevor sie sich am Fluss verlieren, der braun und träge das Dorf begrenzt.
Roter Staub steht in der Luft, verklebt Nase und Rachen. Er macht die Hitze noch unerträglicher. Das Ortsschild fällt kaum auf.Willkürlich scheint es an den Zaun genagelt, ohne Beginn oder Ende zu markieren. Die Inschrift ist verblasst, ein uneingelöstes Versprechen: Nueva Germania - Neu- Germanien.
Wenn Deutschland in die Hände der Russen, der Juden oder der Fremden falle, tönte im Jahr 1888 der Deutsche Bernhard Förster, werde an einem anderen Ort ein ideales Germanien 'verjüngt und voller Kraft' erblühen. Er werde die deutsche Kultur in einen 'neuen und vielversprechenden Boden' verpflanzen: an die Gabelung der Flüsse Aguaray-mi und Aguaray-guazu in Paraguay.
Wer weiss, wo einst das Haus des Gründers von Nueva Germania stand? Historische Fotos zeigen eine geräumige, mit Palmblättern gedeckte Lehmhütte, das erste und grösste Haus im Ort. Seine Spuren sind ausgelöscht wie die anderer Gebäude der Gründerzeit.
Nur an den Einwohnern lässt sich ablesen, dass Nueva Germania eine besondere Geschichte hat: Viele sind blond und hellhäutig, einige haben blaue Augen.
In Nueva Germania leben 56 deutschstämmige Familien - freundliche, zurückhaltende Menschen mit Namen wie Flaskamp, Hauenschild, Fischer, Kück. Sie sind Nachgeborene eines gescheiterten Traums, den ein deutscher Schulmeister vor mehr als hundert Jahren in Südamerika verwirklichen wollte.
In den Wirren des ausgehenden 19. Jahrhunderts gediehen viele Schwarmgeister, darunter der Jenär Lehrer Bernhard Förster. Aus dem Schuldienst war der Verfechter völkischer Ideen wegen militantem Antisemitismus entlassen worden. Vor Freunden schwadronierte er vom 'Verfall deutscher Tugenden', für den die Juden verantwortlich seien. Mit anderen sammelte er 270 000 Unterschriften und forderte den Reichskanzler Otto von Bismarck auf, die Einwanderung osteuropäischer Juden nach Deutschland zu unterbinden.
Heinz Schneppen, deutscher Ex-Botschafter in Asuncion und ein ausgewiesener Förster-Kenner, beschreibt den einstigen Koloniegründer als 'Mischung aus Don Quijote und Rattenfänger von Hameln'. Ein sozialistisches Reich von rein deutscher Rasse und Kultur habe er begründen wollen, ein Germanenparadies in der Neuen Welt.
Zwei Jahre lang, von 1883 bis 1885, streifte Förster zu Pferde durch Paraguay, auf der Suche nach einem Ort, wo sich sein Utopia verwirklichen liesse. Seine Frau bestärkte ihn in seinen Phantastereien: Elisabeth Nietzsche. Sie trieb ihn an - und sie versuchte, auch ihren Bruder für das Abenteuer zu begeistern.
Friedrich Nietzsche jedoch, dem genialen Philosophen, waren Försters rassistische Phantasien nie sympathisch gewesen. Er würde sich 'über das Scheitern des antisemitischen Unterfangens freuen', schrieb Nietzsche seiner Schwester. Förster sei 'Agitator einer Bewegung, die zu drei Vierteln schmutzig und pervers ist'.
1886 unterzeichnete der einstige Schullehrer einen Vertrag mit der Regierung Paraguays, die ihm 22 000 Hektar am RIo Aguaray-mi überliess, 150 Kilometer nördlich von Asuncion. Der Deutsche verpflichtete sich dazu, innerhalb zweier Jahre mindestens 140 Familien anzusiedeln. Später sollte das Land ihr Eigentum werden.
In Sachsen hatte Förster 14 Familien für die Auswanderung gewinnen können; weitere sollten nachfolgen. Im März 1886 traf das Ehepaar Förster- Nietzsche in Paraguay ein. Die beiden zogen in ein komfortables Hotel in Asuncion, später mieteten sie sich ein Landhaus. Während die zukünftigen Bewohner ihres Neuen Germaniens die beschwerliche Reise in die Wildnis antraten, genossen Elisabeth und Bernhard Förster die Annehmlichkeiten der beschaulichen paraguayischen Hauptstadt.
Zwei Jahre nach ihrer Ankunft in Asuncion zogen Elisabeth Nietzsche und Bernhard Förster in Nueva Germania ein. Die Siedler begrüssten sie mit Gewehrsalven und Blumen. Getreu deutscher Tradition überreichten sie ihnen auf der Schwelle des neuen Hauses Brot und Salz.
Förster hielt eine Rede, und dann erschollen unter dem Kreuz des Südens deutsche Lieder. Gott habe Nueva Germania gesegnet, schrieb Elisabeth an ihre Mutter: 'Er hat aus jeder Mark, welche wir hatten oder welche liebende Herzen uns schenkten oder liehen, fünf Mark gemacht.'
Obwohl er nichts von dem Experiment seines Schwagers hielt, verfolgte Friedrich Nietzsche aus der Heimat die Entwicklung der Kolonie mit Interesse. So schrieb er seinem Freund Overbeck in Basel, dass seine Schwester und sein Schwager Land von der Grösse eines 'kleinen Fürstentums' besässen. Ihr Haus in Asuncion habe sich in einen literarischen Salon verwandelt.
Die Siedler hingegen wären schon froh gewesen, wenn ihre neue Heimat per Pferdewagen zu erreichen gewesen wäre. Acht Tage dauerte die Anreise mit dem Boot von Asuncion. Der Weg war nicht nur lang, er war oft auch unpassierbar: Als Förster das Land ausgesucht hatte, war Regenzeit in Paraguay, die Flüsse standen hoch und waren schiffbar. In der Trockenzeit dagegen war Nueva Germania vom Rest der Welt abgeschnitten.
Den Neuankömmlingen machten zahlreiche Probleme zu schaffen. Die Einwanderer, zumeist sächsische Handwerkerfamilien, hatten keine Erfahrungen mit tropischer Landwirtschaft. Der gerodete Urwaldboden erodierte, Getreide und Gemüse gediehen nicht. Tropische Krankheiten rafften Kinder und Schwache dahin, Schädlinge zerstörten die Ernte. Die Einwanderer litten Hunger; erst Indianer brachten ihnen bei, Maniok zu pflanzen.
Mit Försters Phantastereien von einem deutschen Musterstaat hatten die Siedler nichts im Sinn. Die meisten wussten nicht einmal, worauf sie sich eingelassen hatten, als sie dem militant rassistischen Propheten in die Neue Welt gefolgt waren. Elend in der Heimat hatte sie in die Ferne getrieben.
Doch bald erkannten sie, dass Försters Plan scheitern würde. Sie drohten, ihn zu verklagen. Paraguays Regierung drängte auf die Erfüllung der Auflagen, die sie dem Deutschen gemacht hatte. Bis 1889 hatten sich erst 26 statt der versprochenen 140 Familien in Nueva Germania angesiedelt.
Hochverschuldet und verzweifelt über das jämmerliche Ende seines Traums, nahm Förster sich am 3. Juni 1889 in San Bernardino bei Asuncion das Leben. Sein Grab auf dem Deutschen Friedhof ist heute von Gestrüpp überwuchert.
Nur seine Frau Elisabeth gab Nueva Germania noch nicht verloren. Bei der deutschen Regierung warb sie erfolglos um Geld für die Kolonie. Vor allem aber widmete sie sich dem Werk ihres Bruders, in dem sie das ideologische Fundament für einen rassenreinen deutschen Nationalsozialismus sah. Nietzsche konnte sich gegen die Umdeutung nicht mehr wehren: Er lebte seit 1889 in geistiger Umnachtung.
Einmal noch kehrte Elisabeth nach Nueva Germania zurück. Ein letzter Versuch, auch ihren kranken Bruder nachzuholen, scheiterte an der Bürokratie: Schiffe durften damals keine geisteskranken Passagiere mitnehmen. 1892 verliess Elisabeth endgültig Paraguay; sie starb 1935 in Weimar. Zurück blieben 25 deutsche Einwandererfamilien, die zu arm waren, um die Fahrt in die Heimat zu bezahlen.
Heute ist Nueva Germania nach Einschätzung von Herrn Schneppen 'die ärmste Deutschenkolonie Paraguays'. Erst vor knapp zehn Jahren wurde das Dorf ans Stromnetz angeschlossen, Bonner Entwicklungshelfer installierten von wenigen Jahren Wasserleitungen.
Die Anreise ist zwar einfacher als vor hundert Jahren, aber noch immer beschwerlich: Sieben Stunden braucht der Bus von Asuncion.
Jahrzehntelanger Überlebenskampf hat die Deutschstämmigen von Nueva Germania ausgezehrt. Die Erinnerung ist für sie vor allem ein Vehikel, um auf die elende Gegenwart hinzuweisen. Ein 'Menschenfänger' sei Förster gewesen, der 'auf einem grossen Schimmel durchs Dorf' ritt und in Deutschland das Wohlleben genossen habe, erzählt Walter Flaskamp, 75, dessen Grossvater 1888 als 14jähriger Förster gefolgt war. 'Die Siedler wollten ihn lynchen, weil er seine Versprechen nicht gehalten hat.'
Flaskamps verhärmte Frau, barfüssig und mit einem zerrissenen Kittel bekleidet, verschwindet in der bäuerlichen Lehmhütte und holt einen Pappkarton. Zwischen alten Dokumenten kramt sie ein Polaroidfoto hervor. Es zeigt einen ernsten jungen Mann - 'mein Junge', nennt Walter Flaskamp ihn zärtlich.
Vor zehn Jahren haben Drogenhändler den 18jährigen vor den Augen des Vaters erschossen: 'Harald hatte sie bei der Marihuana-Ernte beobachtet.'
Marihuana-Schmuggel ist das einträglichste Geschäft - lukrativer als Baumwolle oder Rinderzucht, von der die meisten Siedler leben. Deshalb kämpft Walter Flaskamp vergebens um Sühne für den Mord an seinem Sohn. Die Polizei schütze die Mörder.
Jährlich trifft sich Nueva Germanias deutsche Gemeinde zur Hauptversammlung: 28 Deutschstämmige nehmen auf den Bänken in der schmucklosen Kirche Platz. Ergriffen singen sie einige christliche Dankeslieder, bevor sie vier Stunden lang die Sorgen der Gemeinschaft diskutieren.
Früher schweisste der Überlebenskampf gegen die feindliche Natur die Einwanderer zusammen. Jetzt vereint sie nur noch die gemeinsame Sprache und eine tiefe, evangelische Frömmigkeit. Doch auch dieses Band lockert sich. Die meisten sprechen noch Deutsch, einige sogar mit leicht sächsischem Zungenschlag. Wenn ihnen ein deutsches Wort nicht einfällt, behelfen sie sich lieber mit der Indianersprache GuaranI, Paraguays zweiter Amtssprache, als mit spanischen Vokabeln.
Aber wie lange noch? Die meisten Jungen wandern ab: In Asuncion, wo Spanisch gesprochen wird, oder in anderen Deutschenkolonien, suchen sie nicht nur Arbeit, sondern auch eine Frau: 'In Nueva Germania sind längst alle Deutschstämmigen untereinander verwandt', bekennt der Gemeindevorsteher Albert Kück.
Albert Kück ist die Seele Nueva Germanias: Er trommelt die Gemeinde zusammen, wenn es Probleme zu besprechen gibt; er appelliert an die zerfallende Gemeinschaft, Saatgut oder Ackergeräte gemeinsam einzukaufen. Mit seiner Frau Brigitte führt er das Krämergeschäft und ein kleines Restaurant. An den Wänden hängen verblichene Plakate deutscher Landschaften.
Fremden gegenüber, Journalisten zumal, ist Albert Kück freundlich, aber zurückhaltend. Seit ausländische Fernsehsender Dokumentationen über Nueva Germania ausstrahlten, fühlen die Deutschstämmigen sich als Erben einer Idee missverstanden, deren Opfer sie in Wirklichkeit sind: Ariertum, Übermenschenphantasien gar, sind ihnen immer fremd geblieben.
Mit den 'normalen' Paraguayern, die im Dorf die Mehrheit stellen, leben sie friedlich zusammen. Zwar kommt es selten zu Mischehen, und im Streit spielt man auch schon mal 'faule, unzuverlässige Paraguayer' gegen 'fleissige, pünktliche Deutsche' aus. 'Aber letztendlich sind wir alle Paraguayer', bekräftigt Albert Kück. Auch dass sie nicht gegen die Diktatur des deutschstämmigen Generals Alfredo Strössner aufbegehrten, dass viele von ihnen vermutlich bei den letzten Wahlen wieder für die Strössner-Partei der Colorados gestimmt hätten, unterscheidet die Deutschstämmigen nicht von den paraguayischen Bauern: Auf dem Land wurde der Diktator schon immer als Patriarch geachtet.
Zum 100jährigen Bestehen der Kolonie im Jahr 1987 besannen sich die Deutschstämmigen von Nueva Germania erstmals auf ihre Ursprünge. Auf den Spuren Bernhard Försters sind sie noch einmal den Fluss von Asuncion hinaufgefahren. Auch in einem Theaterstück haben sie das Unternehmen nachgestellt.
Deutsche Rasse und germanische Kultur wollte der militante Rassist Bernhard Förster in Paraguay verankern. Seine Frau, Schwester Friedrich Nietzsches, wollte den Philosophen für das Projekt gewinnen - vergebens. Das Experiment mit der 1887 gegründeten Musterkolonie 'Nueva Germania' scheiterte bald, doch die angelockten Bauern blieben. Unter der 35jährigen Diktatur des deutschstämmigen Generals Alfredo Strössner sind die armen Nachkommen der ersten Siedler weitgehend in Vergessenheit geraten.

Quelle: Jens Klüsing

ANHANG

Einwanderung Deutscher

1881 erschienen die ersten Deutschen in Paraguay: es waren fünf Familien aus Berlin, die sich in San Bernardino niederließen. 1889 kam der Schwager Friedrich Nietzsches Bernhard Förster ins Land und gründete Nueva Germania; Streitigkeiten verhinderten, daß die Siedlung vorankam. Mit der Gründung von Hohenau (45 km oberhalb von Encarnacion) begann 1899 die für die weitere Entwicklung so wichtige deutsche Kolonisation am Oberen Parana. Der Zuzug von Deutschen aus Brasilien brachte den Neuankömmlingen aus dem Deutschen Reich nötige Lehrmeister für die subtropische Landwirtschaft. Zwischen 1900-1914 entstanden am Westufer des oberen Parana zahlreiche überwiegend deutsche Siedlungen: Pueblo San Migel, Curuzu, Cambyreta, Villa Alborada, Obligado, Colonia Bella Vista, Capitan Meza und Colonia San Lorenzo. Hinzu kamen weiter im Landesinneren neben den älteren Kolonien San Bernardino, Nueva Germania, Nueva Australia, Yegros und Nueva Italia die sogenannten Regierungskolonien Antequerra und Rosario Lomas sowie 1919 Independencia und General Delgado.Bis Mitte der 1920er Jahre war der Chaco ein unbekanntes und zu Unrecht als wertlos verschrienes Gebiet. 1926 erschienen hier die ersten Deutschen. In den Folgejahren waren es überwiegend deutschstämmige Mennoniten aus Kanada Rußland und Polen, die sich in der Gegend von Puerto Casado niederließen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer erneuten Zuwanderung Deutscher sowohl aus Deutschland als auch aus den Vertreibungsgebieten (z.B. Donauschwaben).

Für die meisten der heutigen Einwanderer sind viele dieser genannten Gebiete immer noch unzumutbar.

Wenn man sich also überlegt, was diese Menschen damals auf sich genommen und geleistet haben, kann man eigentlich nur vor Ehrfurcht in die Knie gehen.

Eines ist auf jeden Fall klar. Paraguay wäre nicht das, was es heute ist, wären diese mutigen und tapferen Pioniere nicht gewesen.



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Paraguayische Küche

SOPA PARAGUAYA
Zutaten:
1 Kg Maismehl,
½ Tasse Öl,
2 grosse Zwiebeln,
1 Teelöffel grobes Salz,
½ Kg Käse,
6 Eier,
1 L Milch

Zubereitung:
Aus ÖL, Eiern, kleingehack-
ter Zwiebel, Salz und ein
wenig Wasser eine Sosse
bereiten. Kalt stellen und
dann  mit  dem Maismehl,
den  verschlagenen Eiern,
den geschmolzenen Käse
und der Milch mischen, bis
eine halbflüssige Masse ent-
steht. Die Masse auf eine
gut gefettete Kastenform
verteilen und im vorgeheiz-
ten Backofen ca. 1 Stunde
backen. Als Vorspeise ser-
vieren, oder als Beilage zu
Fleischspeisen.



CHIPA BARRERO
Zutaten:
250 g Fett,
8 Eier,
500 g zerkleinerter Paragu-
aykäse,
1 Kaffeelöffel Anis,
1 gehäufter Esslöffel grobes
Salz,
1 Tasse Milch,
1250 g Stärkemehl

Zubereitung:
Fett, Eier und den Käse zu
einem Brei vermischen. Das
in der Milch aufgelöste Salz,
den Anis und das gesiebte
Stärekemehl dazugeben. Al-
les gut vermischen und aus
der Masse Teigkringel for-
men und diese auf ein gut
gefettetes und mit Mehl be-
stäubtes Backblech legen.
In den vorgeheizten (250
Grad) Backofen schieben
und 25 Minuten backen. Der original paraguayische Backofen (tatacuá) benö-
tigt dafür nur 15 Minuten.

Erklärung:
Barrero grande = für seine Chipas berühmte Ortschaft